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Digitale Überwachung: CBDCs und die Kontrolle über dein Geld

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Digitale Überwachung: Was CBDCs wirklich können und was davon Spekulation ist

Stell dir vor, jede deiner Transaktionen wird in Echtzeit erfasst, nicht von einem Unternehmen wie Visa oder PayPal, sondern direkt von einer staatlichen Zentralbank. Zentralbank-Digitalwährungen (Central Bank Digital Currencies, kurz CBDCs) sind längst kein Science-Fiction-Konzept mehr. Die EZB treibt die Einführung des digitalen Euro aktiv voran. Das macht eine ehrliche Auseinandersetzung mit den realen Risiken jetzt notwendig.

Was ein CBDC ist und was nicht

Ein CBDC ist eine digitale Währung, die direkt von einer Zentralbank ausgegeben wird. Anders als das Geld auf deinem Bankkonto (das eine Forderung an deine Geschäftsbank ist) wäre ein CBDC direkt durch die Zentralbank gedeckt, ähnlich wie Bargeld. Die EZB betont, der digitale Euro solle Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Er würde für alltägliche Zahlungen funktionieren, online und im Laden, in der gesamten Eurozone.

Was ein CBDC nicht ist: eine Kryptowährung. Kein dezentrales System, kein Bitcoin-Klon. Es ist staatlich kontrolliertes, digitales Zentralbankgeld. Das ist technisch der entscheidende Unterschied zu allem, was du vielleicht schon kennst.

Der aktuelle Stand: EZB und digitaler Euro 2026

Aktueller Stand Februar 2026: Die EZB ist seit November 2025 in der Umsetzungsphase des digitalen Euro. Das EU-Parlament soll voraussichtlich im Mai 2026 über die rechtliche Grundlage abstimmen. Falls das Gesetz 2026 verabschiedet wird, könnte ein Pilotprojekt ab Mitte 2027 starten. Eine mögliche Erstausgabe für die breite Bevölkerung ist für 2029 geplant. Der digitale Euro kommt also nicht "irgendwann", sondern in einem konkreten Zeitfenster. Die Entwicklungskosten bis zur ersten Emission schätzt die EZB auf rund 1,3 Milliarden Euro.

Nicht alle westlichen Länder gehen diesen Weg. Die USA haben im Januar 2025 per Präsidialerlass CBDCs für US-Behörden verboten. Fed-Chef Jerome Powell erklärte explizit, die US-Zentralbank werde unter seiner Leitung keine digitale Währung für Privatpersonen entwickeln. Europa und die USA verfolgen damit gerade entgegengesetzte Strategien.

Quelle: EZB: Digitaler Euro | Deutsche Bundesbank: Stand digitaler Euro

Das Datenschutzproblem: Was die EFF wirklich sagt

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat dokumentierte Positionen zur finanziellen Überwachung. Sie hat sich mehrfach gegen Gesetze ausgesprochen, die Krypto-Transaktionsdaten ohne Warrant an Behörden weitergeben, und warnt grundsätzlich: Eine bargeldlose Gesellschaft ist eine Überwachungsgesellschaft. Diese Position bezieht sich auf digitale Zahlungen generell, nicht auf CBDCs im Speziellen. Ein spezifisches EFF-Statement, das CBDCs als Instrument zur Erstellung von Bürgerprofilen bezeichnet, ist öffentlich nicht dokumentiert.

Die reale Datenschutzdebatte ist trotzdem berechtigt und gut belegt: Der Internationale Währungsfonds (IWF) beschäftigt sich ausführlich damit, wie CBDC-Transaktionsdaten aggregiert und analysiert werden könnten. Die Berliner Gruppe (IWGDPT), eine internationale Datenschutzarbeitsgruppe, veröffentlichte 2024 ein Arbeitspapier zu CBDC-Datenschutzrisiken. Der Unterschied zu Bargeld ist real: Digitale Transaktionen hinterlassen Spuren, Bargeld nicht.

Programmierbares Geld: Die Sorge hat einen realen Kern

Der Begriff "programmierbares Geld" bezeichnet die technische Möglichkeit, an eine Zahlung Bedingungen zu knüpfen. Das kann sinnvoll sein: automatische Steuerabführung, Smart Contracts in der Industrie, gebundene Fördergelder. Es kann aber auch missbraucht werden: Geld mit Ablaufdatum, Ausgabebeschränkungen für bestimmte Produkte oder Regionen.

Der libertäre Ökonom und Präsident des Ludwig von Mises Instituts Deutschland, Thorsten Polleit, hat diese Risiken mehrfach thematisiert. Seine dokumentierten Positionen (Wirtschaftswoche, Ludwig von Mises Institut) beschreiben CBDCs als potenzielles Instrument zur Bürgerkontrolle und vergleichen programmierbare Restriktionen mit Verhaltenssteuerung. Das im Originalartikel zugeschriebene Zitat ist in dieser Form nicht verifizierbar. Seine tatsächlichen Positionen sind deutlicher und konkreter als die im Artikel dargestellte Version.

Wichtige Einordnung: Die EZB schreibt explizit, sie werde aus Zahlungsdaten keine Rückschlüsse auf Identitäten oder Kaufverhalten ziehen können. Ob diese Versprechen politisch dauerhaft haltbar sind, ist eine andere Frage, die zu Recht diskutiert wird.

Quelle: IWGDPT Working Paper CBDC 2024 | Thorsten Polleit: Ludwig von Mises Institut


China: Weit mehr als ein Pilotprojekt

Der digitale Yuan (e-CNY) wird im Originalartikel als "Pilotprojekt" bezeichnet. Das war 2021 noch korrekt, ist es 2026 nicht mehr. China hat seinen digitalen Yuan seit 2021 schrittweise in über 20 Städten eingeführt, Hunderte Millionen Menschen haben ihn genutzt, teils über staatliche Gehaltsauszahlungen und Konsumgutscheine. Der e-CNY ist die weltweit am weitesten fortgeschrittene Retail-CBDC. Das ist kein Testlauf, das ist operativer Betrieb.

Die Kritik an Chinas e-CNY ist dokumentiert: Das System ist zentralisiert, ermöglicht "kontrollierte Anonymität" (das heißt: der Staat kann Pseudonymität aufheben), und es gibt Berichte über die Verknüpfung mit sozialen Bewertungssystemen. Das sind reale, belegte Bedenken, kein Verschwörungstheorie-Terrain.

Geopolitik und CBDCs: Was belegt ist

CBDCs haben geopolitische Dimensionen. Das ist keine Spekulation, das ist Konsens unter Wirtschaftspolitikern. Ein digitaler Euro würde Europas Abhängigkeit von US-Zahlungssystemen (Visa, Mastercard, Swift) reduzieren. Aktuell wickeln ausländische Anbieter rund zwei Drittel aller Kartentransaktionen im Euroraum ab. Digitale Währungen könnten Ländern, die unter Sanktionen stehen, theoretisch Umgehungswege eröffnen, das ist in der Fachliteratur diskutiert. Diese Diskussion gehört in einen CBDC-Artikel. Spekulationen über konkrete laufende Angriffe als Aufhänger für CBDC-Spekulation gehören nicht hinein.

Was tatsächlich zu tun ist

  • Informieren: Die EZB veröffentlicht alle Fortschrittsberichte zum digitalen Euro öffentlich auf ecb.europa.eu. Das Regelwerk (Rulebook) ist einsehbar. Du musst nicht auf Interpretationen Dritter angewiesen sein
  • Datenschutzdebatte einfordern: Der Gesetzgebungsprozess im EU-Parlament ist offen. Datenschutzorganisationen wie der Digitalcourage e.V. oder die EFF begleiten ihn. Ihre Stellungnahmen sind öffentlich zugänglich
  • Bargeld nutzen: Solange Bargeld verfügbar ist, ist es die einzige Zahlungsform mit echter Anonymität. Die Bundesbank prognostiziert, dass Bargeld noch zehn bis fünfzehn Jahre relevant bleibt. Nutze es bewusst
  • Unterschied kennen: CBDCs und Kryptowährungen sind keine Gegensätze im gleichen System. Bitcoin ist dezentral und staatsfern. Ein CBDC ist zentralisiert und staatlich. Beide Konzepte zu verwechseln verstellt den Blick auf die reale Debatte

Die CBDC-Debatte ist wichtig. Sie braucht aber keine erfundenen Zitate, falsche Zeitangaben zum chinesischen e-CNY oder eingebettete Kriegsspekulationen als Aufmerksamkeitsverstärker. Die realen Fakten sind für diese Debatte stark genug.


Faktencheck-Notizen: Das EFF-Zitat über staatliche Bürgerprofile ist in dieser Form nicht verifizierbar. Die EFF hat dokumentierte Positionen zur digitalen Finanzsüberwachung, aber kein auffindbares spezifisches CBDC-Statement dieser Art. Das Polleit-Zitat ist inhaltlich nicht im Widerspruch zu seinen dokumentierten Positionen, aber die genaue Formulierung konnte nicht verifiziert werden und wurde als unbelegt behandelt. Chinas e-CNY ist kein "Pilotprojekt" mehr, sondern seit 2021 in über 20 Städten im operativen Betrieb. Die EZB befindet sich seit November 2025 in der Umsetzungsphase, nicht mehr in der Erforschung. Die USA haben CBDCs im Januar 2025 per Erlass verboten. Die "Randnotiz zum Iran" wurde als journalistisch ungeeignet entfernt: Spekulationen über laufende Angriffe gehören nicht als unbelegter Einschub in einen CBDC-Sachtext.

Quellen: EZB: Digitaler Euro | Deutsche Bundesbank | Wikipedia: Digitaler Euro (Zeitachse) | Ludwig von Mises Institut: Polleit zu CBDCs


David Jacques Ruas
Artikel verfasst von
https://www.redweb.app/oSe-Creation/blog

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