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Digitale Überwachung: CBDCs und die Kontrolle über dein Geld

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Digitale Überwachung: CBDCs und die Kontrolle über dein Geld

Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs) versprechen eine effizientere und inklusivere Zukunft des Geldes. Doch hinter der Fassade der Innovation lauern reale Fragen nach Überwachung und Kontrolle über die Finanzen der Bürgerinnen und Bürger. Wir analysieren die aktuellen Entwicklungen und beleuchten die potenziellen Risiken dieser neuen Technologie.

Was ist passiert?

Zentralbanken weltweit treiben die Entwicklung digitaler Währungen voran. Die Europäische Zentralbank (EZB) befindet sich in einer Vorbereitungsphase für einen digitalen Euro. Der EU-Rat gab dafür im Dezember 2025 offiziell grünes Licht. Ein vollständiger Launch wird frühestens 2028 bis 2029 erwartet, sofern die noch ausstehende europäische Gesetzgebung verabschiedet wird. Die Gesamtkosten für den Aufbau des Systems schätzt die EZB auf rund 1,3 Milliarden Euro.

In China ist der digitale Yuan (e-CNY) am weitesten entwickelt. Chinesische Konsumenten haben kumuliert 2,25 Milliarden digitale Wallets angelegt. Dennoch bleibt die tatsächliche Nutzung gering: Der e-CNY repräsentiert nur 0,2 Prozent aller chinesischen Zahlungen im Jahr 2024. China hat zudem sein ursprüngliches Modell des "digitalen Bargelds" inzwischen aufgegeben und setzt stattdessen auf ein Modell digitaler Einlagen. Laut Atlantic Council forschen oder pilotieren weltweit 134 Länder CBDCs, kein einziges Großland hat bislang eine CBDC offiziell eingeführt.

Die USA hingegen gehen den entgegengesetzten Weg: Im Januar 2025 unterzeichnete Präsident Trump ein Dekret, das allen Bundesbehörden die Entwicklung einer CBDC ausdrücklich verbietet. Im Juli 2025 verabschiedete das US-Repräsentantenhaus den sogenannten "Anti-CBDC Surveillance State Act", der einen digitalen Dollar gesetzlich verbietet. Die Begründung: CBDCs stellten eine Bedrohung für die finanzielle Privatsphäre und die individuelle Freiheit dar. Stattdessen fördert die US-Regierung mit dem GENIUS Act private, durch den Dollar gedeckte Stablecoins.

Warum ist das relevant?

Die Entwicklung von CBDCs ist aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens stellen CBDCs eine technologisch neue Form staatlichen Einflusses auf den Zahlungsverkehr dar. Jede Transaktion wäre für die Zentralbank prinzipiell nachverfolgbar. Das ist ein echter Unterschied zu Bargeld, nicht aber zu bereits existierenden Kartenzahlungen und Banküberweisungen, bei denen ähnliche Nachverfolgbarkeit heute schon besteht. Zweitens könnte ein digitaler Euro die Rolle der Geschäftsbanken schwächen, wenn Bürgerinnen und Bürger Gelder direkt bei der EZB parken. Ökonomen warnen vor einem möglichen Kreditengpass und vor Instabilität im Bankensystem. Drittens birgt die technische Möglichkeit von programmierbarem Geld reale Risiken: CBDCs könnten so gestaltet werden, dass Geld zeitlich befristet wird, nur für bestimmte Produkte genutzt werden darf oder an Bedingungen geknüpft wird. Ob und wie diese Funktionen eingesetzt werden, hängt vollständig von der politischen und rechtlichen Ausgestaltung ab.

Wichtig ist dabei: Die EZB hat explizit Datenschutzmaßnahmen in ihr Konzept integriert. Der geplante digitale Euro soll Anonymität bei Kleinbetragszahlungen garantieren und der EZB keinen Zugriff auf individuelle Transaktionsdaten von Verbrauchern gewähren. Nur ein Drittel der Europäer gibt laut Umfragen an, den digitalen Euro nutzen zu wollen. Die tatsächliche Ausgestaltung hängt zudem von noch ausstehenden EU-Gesetzen ab.


 

Noise vs. Signal

 

In der Diskussion um CBDCs gibt es viel Lärm. Befürworter betonen Vorteile wie höhere Effizienz, größere finanzielle Inklusion und verbesserte Bekämpfung von Geldwäsche. Kritiker sehen die Technologie als Werkzeug staatlicher Kontrolle. Beide Seiten haben Argumente, die ernst genommen werden sollten.

Das klare Signal lautet: Die Frage ist nicht ob CBDCs kommen, sondern wie sie ausgestaltet werden. China zeigt, dass selbst ein technisch weit entwickeltes System nicht automatisch zur Massenadoption führt. Die USA zeigen, dass demokratische Gesellschaften CBDCs auch ganz ablehnen können. Europa ist der einzige große Wirtschaftsraum, der aktiv auf einen Start hinarbeitet. Die eigentliche Debatte muss daher über rechtliche Grenzen geführt werden: Welche Daten darf die EZB sehen? Welche Beschränkungen sind zulässig? Und wer kontrolliert die Kontrolleure? Diese Fragen sind noch offen und sollten es nicht bleiben.

Quellen und Einblicke

Für weitere Informationen und Analysen empfehlen wir folgende Quellen:

Fazit

CBDCs sind kein abstraktes Zukunftsszenario mehr. Der digitale Euro kommt aller Voraussicht nach. Wann genau und mit welchen Regeln ist noch offen. Die USA haben sich bewusst dagegen entschieden. China zeigt, dass auch ein weit entwickeltes System scheitern kann, wenn die Bevölkerung es nicht annimmt. Für Europäerinnen und Europäer gilt: Die entscheidenden Fragen werden gerade in Brüssel verhandelt. Wer seine finanzielle Privatsphäre schützen will, muss diese Debatte aktiv verfolgen und von seinen politischen Vertreterinnen und Vertretern konkrete Antworten fordern. Informieren Sie sich, diskutieren Sie mit anderen und fordern Sie Transparenz. Die Zukunft des Geldes wird gerade gestaltet!

Dieser Artikel stellt eine Analyse und einen redaktionellen Kommentar dar. Aussagen basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen, darunter Berichte der EZB, des Atlantic Council CBDC Trackers, des US-Kongresses sowie der Peterson Institute for International Economics (Stand: Februar 2026). Sie sind als informierte Einschätzung zu verstehen, nicht als abschließend gesicherte Tatsachen.


David Jacques Ruas
Artikel verfasst von
https://www.redweb.app/oSe-Creation/blog

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