Bitcoin Mining und grüne Energie: Was stimmt, was wird übertrieben?
Der Energieverbrauch von Bitcoin Mining ist real, messbar und Teil einer legitimen Klimadebatte. Gleichzeitig ist er oft falsch eingeordnet. Der Anteil erneuerbarer Energien wächst, die Technologie wird effizienter, und geopolitische Risiken für das Netzwerk existieren, aber anders als oft dargestellt. Hier ist der aktuelle Faktenstand Februar 2026.
Wie viel Strom verbraucht Bitcoin wirklich?
Der Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index (CBECI), das anerkannte Referenzmodell der Cambridge Centre for Alternative Finance, schätzt den aktuellen Jahresverbrauch des Bitcoin-Netzwerks auf rund 138 bis 180 Terawattstunden (TWh). Das ist vergleichbar mit dem Stromverbrauch von Ländern wie Thailand oder Polen, nicht mehr Argentinien, das oft als Vergleich zitiert wird und dessen Verbrauch ebenfalls in diesem Bereich liegt. Zum Vergleich: Das globale Bankensystem inklusive Filialen, Rechenzentren und Zahlungsinfrastruktur verbraucht Schätzungen zufolge rund 260 TWh jährlich. Das traditionelle System verarbeitet dabei allerdings Milliarden mehr Transaktionen.
Was häufig übersehen wird: Der Energieverbrauch von Bitcoin ist nicht an die Transaktionszahl gekoppelt, sondern an den Bitcoin-Kurs und die Hashrate. Mehr Miner bedeuten mehr Verbrauch, unabhängig davon, wie viele Transaktionen verarbeitet werden. Die Cambridge-Forscher haben ihre Methodik seit 2023 überarbeitet und historische Verbrauchszahlen nach unten korrigiert. Die alten Schätzungen hatten ineffiziente Hardware übergewichtet.
Quelle: Cambridge CBECI (täglich aktualisiert) | US Energy Information Administration: Krypto-Mining
Erneuerbare Energien im Mining: Was die Zahlen wirklich bedeuten
Der Bitcoin Mining Council (BMC), eine freiwillige Branchenorganisation, meldete für 2024 einen nachhaltigen Energieanteil von rund 54 bis 60 Prozent. Diese Zahlen basieren auf Selbstauskünften der Mitglieder und decken nur einen Teil der globalen Mining-Aktivität ab. Das ist eine wichtige Einschränkung, die der Originalartikel korrekt vermerkt.
Unabhängig davon hat die University of Cambridge 2025 ihren Cambridge Digital Mining Industry Report veröffentlicht, der Daten aus 23 Ländern auswertete und nicht auf Selbstauskunft basiert. Das Ergebnis: 52,4 Prozent des globalen Bitcoin-Mining-Stroms stammten aus nachhaltigen Quellen (Wasserkraft, Wind, Solar und Kernkraft). Davon entfielen 42,6 Prozent auf klassische Erneuerbare und 9,8 Prozent auf Kernenergie. Das ist ein erheblicher Anstieg gegenüber 37,6 Prozent im Jahr 2022. Die USA sind inzwischen mit 75,4 Prozent der globalen Rechenleistung der dominante Mining-Standort, Nordamerika insgesamt kommt auf 82,5 Prozent.
Was bleibt ist eine reale Spannung: Dieselben wirtschaftlichen Anreize, die Miner zu erneuerbaren Energien treiben (billiger Strom), führen auch zu Problemen. Wenn Solar- und Windstrom günstig ist, rechnet sich Mining. Wenn er teuer wird, weichen Miner auf fossile Quellen aus. Nachhaltiges Mining ist oft kein Bekenntnis, sondern Ergebnis von Preissignalen.
Quelle: Cambridge Digital Mining Industry Report 2025
Stranded Energy: Reale Chance, aber keine Wunderlösung
Das Konzept der Stranded Energy ist dokumentiert und funktioniert in Praxis: Bitcoin-Miner errichten Farmen neben Windparks in Texas oder Wasserkraftwerken in Island und Kanada, um Strom zu nutzen, der sonst ins Netz eingespeist oder verschwendet würde. Das stabilisiert Netze und macht überschüssige erneuerbare Kapazität wirtschaftlich. In Texas hat die Mining-Industrie gezeigt, dass Mining-Farmen als flexible Last fungieren: Bei Netzüberlastung fahren sie innerhalb von Sekunden herunter.
Die Abwärmenutzung ist ebenfalls kein Marketing-Konzept. Es gibt dokumentierte Projekte in Skandinavien und Kanada, die Mining-Abwärme zur Gebäudeheizung oder Fischzucht nutzen. Das ändert nichts am Grundproblem des Energieverbrauchs, kann aber lokale Effizienzgewinne erzeugen.
Ethereum als Gegenbeispiel: Was der Wechsel zu Proof-of-Stake gezeigt hat
Ethereum hat am 15. September 2022 mit "The Merge" erfolgreich von Proof-of-Work auf Proof-of-Stake umgestellt und seinen Energieverbrauch um über 99,9 Prozent reduziert. Laut US Energy Information Administration liegt Ethereums Energiebedarf heute bei etwa 0,005 Prozent von Bitcoins Verbrauch. Das Netzwerk verarbeitet dabei deutlich mehr Transaktionen als Bitcoin.
Für Bitcoin ist Proof-of-Stake keine Option, die die Community verfolgt. Nicht weil es technisch unmöglich wäre, sondern weil PoW als Kernelement von Bitcoins Sicherheitskonzept gilt. Das "Wettrennen" der Miner und der damit verbundene Energieaufwand ist die Absicherung des Netzwerks. Wer diese Grundsatzentscheidung kritisieren will, muss das als politische und wirtschaftliche Frage diskutieren, nicht als technische Unvermeidlichkeit.
Geopolitik und Hashrate: Was Iran wirklich bedeutet
Iran ist ein belegter Bitcoin-Mining-Standort. Billigster Strom weltweit (umgerechnet 0,01 bis 0,05 Cent pro kWh), Sanktionsdruck als Treiber für Krypto-Adoption und staatliche Beteiligung durch die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) machen den Iran zu einem relevanten, aber schwer messbaren Player. Cambridge schätzt den iranischen Anteil am globalen Hashrate auf ca. 3 bis 4 Prozent; andere Schätzungen gehen bis zu 15 Prozent, da 85 Prozent der iranischen Mining-Aktivität illegal und damit schwer nachverfolgbar ist.
Im Juni 2025 griffen die USA und Israel iranische Nuklearanlagen an. In den Tagen danach fiel die globale Bitcoin-Hashrate um bis zu 27,9 Prozent. Das führte zu Spekulation, ob iranische Mining-Operationen betroffen waren. Belege für Mining-Farmen in den angegriffenen Anlagen gibt es nicht. Mining-Analysten wie Blocksbridge Consulting warnten, kurzfristige Hashrate-Schwankungen zu überinterpretieren. Tatsache ist: Iran stört den Bitcoin-Betrieb nicht grundsätzlich, selbst wenn es dort zu vollständigen Ausfällen käme. Bitcoin hat 2021 den chinesischen Mining-Ban absorbiert, der über 40 Prozent der globalen Hashrate auslöschte. Ein Wegfall von 4 Prozent ist historisch gesehen moderat.
Hinweis Stand 28. Februar 2026: Heute haben die USA und Israel Militärangriffe auf Iran gestartet (Operation Shield of Judah). Ob und in welchem Ausmaß diese die Bitcoin-Hashrate beeinflussen, ist zum Redaktionsschluss nicht abschließend bewertbar. Das Netzwerk hat sich bei früheren Ereignissen resilient gezeigt. Der Difficulty-Algorithmus gleicht Hashrate-Verluste innerhalb von zwei Wochen automatisch aus.
Quelle: Brave New Coin: Iran Bitcoin Mining 2025 | 99Bitcoins: Hashrate-Drop nach Juni-2025-Strikes
52,4% des globalen Bitcoin-Minings laufen 2025 auf nachhaltiger Energie (Cambridge CCAF). Gegenüber 37,6% in 2022 ein signifikanter Anstieg. Aber: dieselben Preissignale, die Miner zu Erneuerbaren treiben, können sie bei Preisänderungen wieder wegbewegen. #Bitcoin #Nachhaltigkeit #Mining #Energie
— Redweb Club Analyse
Fazit: Weder Klimakiller noch grüner Held
Bitcoin-Mining verbraucht nachweislich erhebliche Mengen Energie. Dieser Verbrauch wächst mit dem Kurs und der Mining-Beteiligung, nicht mit der Zahl der Transaktionen. Gleichzeitig ist der Anteil erneuerbarer Energien real und messbar gestiegen: von unter 40 Prozent 2022 auf über 52 Prozent 2025 nach unabhängiger Messung. Das Narrativ "Bitcoin zerstört die Welt" ist ebenso verzerrt wie das Gegenteil "Bitcoin rettet die Energiewende". Die Wahrheit liegt in konkreten Zahlen, die Cambridge liefert und die täglich aktuell sind.
Faktencheck-Notizen: Der Argentinien-Vergleich war historisch korrekt, aber laut aktueller CBECI-Methodik vergleicht Cambridge Bitcoin 2025 mit Thailand und Polen, nicht Argentinien. Der BMC-Wert von 54% für Q1 2024 ist plausibel, aber Selbstauskunft. Cambridge nennt unabhängig 52,4%. Der Iran-Abschnitt im Original ist spekulativer als nötig, da die Grundverbindung (Iran mining, Hashrate-Drops nach Strikes) tatsächlich dokumentiert ist. Der Satz "Bitcoin anfällig für Angriffe machen" wurde korrigiert: Selbst ein vollständiger Ausfall Irans (4% Hashrate) ist für das Bitcoin-Netzwerk handhabbar und historisch vergleichbar mit China 2021 (40%). Stand 28.02.2026 laufen aktuelle US-Israel-Angriffe auf Iran; kurzfristige Hashrate-Auswirkungen sind zum Redaktionsschluss unklar.
Quellen: CBECI Cambridge | Brave New Coin: Iran Mining | 99Bitcoins: Iran/Hashrate | Cambridge Digital Mining Industry Report 2025
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