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Noch während diese Tests laufen, fällt Deutschland in Polen ein. Militärärzte kaufen ganze Apothekenbestände an Pervitin auf und verteilen sie an die Truppen. 35 Millionen Tabletten liefern die Temmlerwerke allein für den Frankreichfeldzug. Zehn Stunden hält die Wirkung von Pervitin, das auch gegen die Kälte und die Angst hilft. Als die Dosen erhöht werden, wird langsam klar, dass Metamphetamin Gewöhnungs- und Suchtgefahr birgt und sogar Wahnvorstellungen auslösen kann. Ernst Udet, ein berühmtes Fliegerass, wird prominentestes Opfer. Abhängig von Alkohol und Pervitin erschießt er sich.
Im Russlandfeldzug beklagen sich immer mehr Kommandeure darüber, dass die Soldaten die dreifache Menge Schlaf brauchen, wenn die Wirkung von Pervitin nachlässt. Viele werden depressiv. Göring beschließt, die "liegengebliebene Division" mit Alkohol und noch mehr Pervitin in Schwung zu bringen. Das Mittel soll inzwischen auch dabei helfen, die Gräuel des Unternehmens Barbarossa psychisch zu verkraften. Viele Soldaten sind längst süchtig und haben mit gravierenden Folgen zu kämpfen. Psychosen und Tod durch Herzversagen sind nur zwei davon.
Um das Präparat zu optimieren, finden Menschenversuche statt. Im KZ Sachsenhausen gibt es das Schuhläuferkommando. Dabei testen Häftlinge Lederersatzstoffe für die Schuhindustrie. Ihnen werden nun Mischungen aus Pervitin mit Kokain und Koffein verabreicht. Dann müssen sie, beschwert mit Sandsäcken, 80 Stunden marschieren. Schließlich werden Kinder zu Soldaten gemacht. Ganze Schulklassen sollen die Heimat als Flakhelfer verteidigen. Auch an sie wird das Mittel ausgegeben.
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