change language     -        


Der Nordpol wandert nicht mehr - er rennt

February 2, 2019, 3:35 pm

Type: Erde

       




news_image

Quelle Image:  FOTO: ESA/ GFZ

 

Das Magnetfeld der Erde scheint stets konstant zu sein. Doch in Wahrheit ändert es sich so schnell, dass Forscher nun handeln müssen.


 

Für den 30. Januar haben sich Geophysiker aus den USA und Großbritannien zu einem ungewöhnlichen, für die ganze Welt bedeutsamen Schritt entschlossen: Sie aktualisieren vorzeitig das "World Magnetic Model", das Weltmagnetmodell. Täten sie es nicht, würden Piloten, Schiffskapitäne und sogar Nutzer von Google Maps demnächst dumm aus der Wäsche schauen, wenn ihr GPS mal ausfällt.

Denn nur dank des Magnetmodells funktioniert die präzise Navigation per Kompass. Es beschreibt das Magnetfeld der Erde. Etwa wie der magnetische Nordpol zum geografischen Nordpol steht. Denn die beiden sind keinesfalls identisch. Im Gegenteil: Der magnetische Nordpol – der Ort, wo die Feldlinien des Erdmagnetfelds senkrecht in die Erde stoßen –, liegt mehrere hundert Kilometer vom geografischen entfernt. Und er wandert. In den letzten Jahren sogar immer schneller. Er wandert nicht mehr, e rennt.

 

Magnetpole stehen sich nicht genau gegenüber

Das Magnetfeld der Erde ist wichtig für alles Leben. Es schützt vor tödlicher Strahlung aus dem All. Und manchen Tieren dient es zur Orientierung – seit wir den Kompass erfunden haben, auch uns Menschen. Da wir heutzutage auf unseren Reisen rund um den Globus aber recht genau navigieren wollen, haben Wissenschaftler das Weltmagnetmodell entwickelt. Damit wir nicht nur ungefähr, sondern ganz genau wissen, wo Norden ist.

Dazu beschreibt das Modell nicht nur, wo sich die magnetischen Pole gerade befinden, sondern auch, wie die Magnetfeldlinien verlaufen, an denen sich der Kompass ausrichtet. Denn auch deren Netz, das den Globus von Nord- zu Südpol umspannt, ist keineswegs symmetrisch. Magnetpole stehen sich nicht genau gegenüber, sie wandern auch nicht im Gleichschritt. Und das Netz der Feldlinien hat Dellen: Sie verlaufen nicht überall geradlinig, die Feldstärke ist an manchen Stellen schwächer als anderswo.

Das hat mit der Ursache des Magnetfelds zu tun: Es entsteht durch Bewegungen im Inneren der Erde. Aus dem festen, bis zu 5000 Grad heißen Kern aus Eisen und Nickel steigt Hitze auf und führt im äußeren, flüssigen Kern, der ebenfalls großteils aus Eisen besteht, zu Konvektionsströmungen. Material dringt nach außen, kühlt sich wieder ab und sinkt in einem Kreislauf zurück in tiefere Schichten. Wegen der Erdrotation kommt es auch zu seitlichen Bewegungen. Und weil das Material elektrisch leitfähig ist, bildet sich dabei das Magnetfeld rund um unseren Heimatplaneten.





Seit den 90er Jahren wandert der Nordpol 50 Kilometer pro Jahr

"Die Zirkulation kann man sich vorstellen wie kochendes Wasser in einem Topf", sagt Achim Morschhauser, wissenschaftlicher Mitarbeiter am geomagnetischen Observatorium Niemegk des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam. "Die Hitze steigt von unten auf und hält alles in Bewegung. Und an diese Bewegungen sind die Magnetfeldlinien gekoppelt. Wie Spaghetti, die man in das kochende Wasser wirft, werden auch sie laufend verschoben."

Es ist ein dynamisches System mit vielen Unregelmäßigkeiten, in dem sich Bewegungen immer wieder auch mit Gegenbewegungen abwechseln. Im Extremfall kommt es sogar zu einer kompletten Umpolung: Der magnetische Nordpol wird dann zum Südpol und umgekehrt. Genau genommen ist der Nordpol zurzeit magnetisch gesehen tatsächlich ein Südpol. Im Schnitt kommt das alle 250.000 Jahre vor, wie Analysen von magnetisierten Eisenpartikeln in alten Gesteinsschichten ergeben haben. Die letzte Umpolung der Erde ist schon 780.000 Jahre her – die nächste erscheint also überfällig.

Womöglich ist die Raserei des Nordpols sogar ein Vorbote dafür. Während er im Laufe des 20. Jahrhunderts zehn bis 15 Kilometer pro Jahr zurücklegte und dabei vom Norden Kanadas relativ geradlinig durch das arktische Meer Richtung Ostsibirien wanderte, hat er seit den 90er Jahren auf über 50 Kilometer pro Jahr beschleunigt. Das muss aber keine Umpolung zur Folge haben. Manche Forscher glauben auch, die Ursache für seine Eile liege in einem über 400 Kilometer breiten horizontalen Strom flüssigen Eisens, den sie vor zwei Jahren 3000 Kilometer unter Kanada und Russland entdeckt haben und der mit gut 40 Kilometern pro Jahr Richtung Europa unterwegs ist – drei Mal schneller als das Material im äußeren Erdkern üblicherweise strömt.

 

Über das Innere der Erde ist wenig bekannt

"Theoretisch kann der Pol seine Bewegungsrichtung aber auch jederzeit ändern, wie er es im 19. Jahrhundert mehrfach getan hat", sagt Achim Morschhauser. „Darin liegt das Problem: Wir kennen die Konvektionsströme im Erdkern zu wenig, um solche Effekte vorherzusehen.“

Eigentlich weiß die Forschung über das Innere der Erde immer noch weniger als über das der Sonne. Ähnlich unvorhergesehen können sogenannte geomagnetische Impulse auftreten, vergleichsweise plötzliche Spitzen in der Zirkulation im Erdkern. Wie besonders große Blubberblasen im Kochtopf sorgen diese Ausbrüche für starke Störungen des Erdmagnetfelds.

Andere Verzerrungen sind von längerer Dauer: Schon seit fast 200 Jahren – Alexander von Humboldt stellte das damals fest –, wissen wir, dass das Magnetfeld über dem Südatlantik, inklusive Südamerika und Südafrika, besonders schwach ist. Satelliten, die diese Region überfliegen – aber auch Lebewesen am Boden – sind dadurch einer erhöhten Strahlung aus dem All ausgesetzt. Experten nennen das die „südatlantische Anomalie“. Ähnlich wie die Beschleunigung des Nordpols könnte auch sie eine Umpolung ankündigen. Muss sie aber nicht. Oft hat sich das Magnetfeld von solchen Schwächephasen wieder erholt.





Normalerweise wird das Modell nur alle fünf Jahre aktualisiert

Jedenfalls führen solche Effekte dazu, dass die Geophysiker ihr Modell nun vorzeitig aktualisieren. Normalerweise tun sie das alle fünf Jahre: Das Modell beschreibt den aktuellen Zustand und rechnet hoch, wie sich das Feld in den folgenden Jahren weiterentwickelt – wohin sich zum Beispiel der Nordpol bewegen wird. Dazu nutzen die Forscher Messdaten von Satelliten und erdgebundenen Observatorien, die über den ganzen Globus verteilt sind.

"Aber die Vorausberechnungen sind linear", sagt Morschhauser. "Wenn da eine kurzfristige Anomalie dazwischenkommt, stimmt die Vorhersage nicht mehr." 2016 etwa, nur ein Jahr, nachdem die Forscher ihr Modell zuletzt aktualisiert hatten, trat unter Südamerika ein heftiger geomagnetischer Impuls auf, der die tatsächliche Entwicklung von der Voraussage abweichen lässt. "Seither ist der Fehler immer größer geworden", sagt Arnaud Chaulliat von der Universität in Boulder Colorado, der am Weltmagnetmodell mitarbeitet, dem Fachblatt "Nature".

Jetzt ist die Schwelle der Toleranz erreicht. Die Verantwortlichen des Weltmagnetmodells müssen handeln. Sonst werden die Abweichungen in der Navigation so groß, dass ein Pilot aus den USA bei einem Transatlantikflug per Kompasspeilung statt in Berlin womöglich in Luckenwalde landen würde.


Quelle: Tagesspiegel



news_image

Neuartige Behandlung gegen chronische Schmerzen, Entzündungen, Arthritis und Muskelkrämpfe wurde legalisiert. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Lesen Sie weiter ...

Read more

news_image

Ultraschall auf Wunsch wird in der Schwangerschaft wegen kindlicher Gesundheitsbelastung ab 2021 gesetzlich untersagt. Ohne medizinische Indikation darf dann kein Ultraschall mehr angewendet werden.

Read more

news_image

Eine Studie von hunderten Wissenschaftlern liefert erschreckende Erkenntnisse über die Zerstörung der Natur durch die Menschheit.

Read more

news_image

Das Schlimmste, was einem nach dem Studium widerfährt, ist nicht der Kredit, den man abbezahlt, oder die Trennung vom Langzeitfreund. Es ist die Diagnose 40 Jahre Erwerbsarbeit.

Read more

news_image

Weihrauch galt den Menschen schon immer als ein magischer Stoff: Im alten Indien vertrieb er vermeintlich Dämonen, im Mittelalter Hexen. Kaum ein religiöses Ritual in der Antike kam ohne eine Räucherung mit dem Harz des Olibaums aus. In der katholischen K

Read more



allnews_image

Wegen der umstrittenen Geschäfte der US-Tochter Monsanto ist der deutsche Pharma- und Chemieriese Bayer in Amerika mit Tausenden Klagen konfrontiert. Nun beginnt der zweite Prozess - für den Leverkusener Dax-Konzern steht viel auf dem Spiel.

Voir plus


allnews_image

Gerade erst hat die Anti-Missbrauchskonferenz im Vatikan ihre Pforten geschlossen, da verkündet die australische Justiz, dass einer der ranghöchsten vatikanischen Kardinäle wegen Missbrauchs verurteilt wurde. Der Schuldspruch gegen Kardinal Pell erging be

Voir plus


allnews_image

US-Präsident Donald Trump versucht, die nationale Wirtschaft mittels Strafzöllen zu schützen, und hat dabei vor allem China im Blick. Die Ergebnisse sind widersprüchlich. Eine vorläufige Bilanz des Handelskrieges

Voir plus


allnews_image

Klammheimlich, ohne große Fanfare, hat das US-amerikanische Vaccine Injury Compensations Program (VICP) eingeräumt, dass Impfstoffe Autismus verursachen.

Voir plus


allnews_image

Wissenschaftler fanden den Wal mehrere Kilometer entfernt von der Küste.

Voir plus


allnews_image

Tumulte im Gericht, Entsetzensschreie, rausgeschleifte Zuhörer: Die junge Hambach-Aktivistin Eule wird zu neun Monaten Jugendhaft verurteilt.

Voir plus


allnews_image

Schwermetalle und Toxine nehmen wir jeden Tag über die Nahrung, durch die Luft und durch das Wasser auf. Deshalb ist es wichtig den Körper von Zeit zu Zeit zu entgiften. Gerade nach Impfungen muss man den Körper reinigen.

Voir plus


allnews_image

„Verschwörungstheorie“ oder „Verschwörungstatsache“? Die Rede ist von sogenannten Chemtrails – es könnten aber auch nur Kondensstreifen von Flugzeugen sein. Aber warum sind sie so dicht beieinander, in Gitterformation und lösen sich nur sehr langsam auf?

Voir plus


allnews_image

Kommt der RFID Chip bald für alle? Nicholas Rockefeller soll einst gesagt haben: „Das Ziel der Agenda ist, eine Weltregierung zu schaffen und jedem Bürger einen RFID-Chip zu implantieren“. Vor Jahren wurde diese Aussage noch als Verschwörungstheorie oder

Voir plus


allnews_image

Die dänische Zubehörschmiede Ceramic Speed hat ein grundlegend neues Antriebskonzept für Fahrräder präsentiert. Es könnte der Antrieb von morgen werden.

Voir plus




allnews_image

Die Wasseroberfläche des Kanals in der Nähe von Nitesh Kumars Haus im Bezirk Rani Garden in der Indischen Hauptstadt Neu-Delhi ist überzogen von Plastikmüll. Das Wasser verschwindet unter einer Decke aus Kunststoffabfällen, die den Kanal in eine Müllhalde

Voir plus


allnews_image

Den Bleistift-Stummel einfach in den Müll werfen? Nicht mit den Stiften von Sprout, aus denen Kräuter wachsen. Das Start-up will ein Zeichen gegen die Wegwerfkultur setzen – und ebenfalls ganz aus eigener Kraft wachsen.

Voir plus


allnews_image

L’intelligence artificielle gagne du terrain depuis plusieurs années. Elle fascine, intéresse mais fait également peur. Beaucoup craignent, qu’un jour, elle puisse entraver les actions de l’homme l’homme dans son quotidien. Ces craintes ont inspiré de nom

Voir plus


allnews_image

Mauvaise nouvelle pour la France, sur les 28 États membres de l’Union européenne le pays est en retard sur le développement des énergies renouvelables. En retard par rapport à son objectif annoncé pour 2020, mais en retard également par rapport à ses vois

Voir plus


allnews_image

Trois astrophysiciens de l'université de Vienne, en Autriche, ont étudié la faisabilité d'installer une station spatiale dans une mine ou une cavité naturelle d'un astéroïde. Une étude tout à fait sérieuse qui montre que cela est possible pour peu que cer

Voir plus