change language     -        


Auf dem Mount Everest stapelt sich mehr Kot, als der Berg verdauen kann

August 23, 2018, 3:34 pm

Type: Wissenschaft

       




news_image

Image (Foto: picture alliance / Narendra Shre)

Noch nie war es so einfach, den Mount Everest zu besteigen wie heute. Dank besserer Ausrüstung, moderner Service-Stationen und der Hilfe unermüdlicher Bergführer, wird der Berg inzwischen von abenteuerlustigen Touristen regelrecht überschwemmt. Allein 2016 haben 36.000 Menschen die Region um den Everest bereist, das sind 34 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das erhöhte Interesse am Mount Everest ist für Nepal zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Die Bergsteiger geben im Durchschnitt zwischen 24.000 und 80.000 Euro für ihr Abenteuer aus, abhängig davon für welchen Bergpass und für welchen Anbieter sie sich entscheiden. Doch mehr Besucher bedeuten auch mehr Abfall – dazu zählen nicht nur leere Sauerstoffflaschen, Zeltplanen und Plastik, sondern vor allem auch Kot: Bergeweise menschlicher Kot.

Über 12.000 Kilogramm menschlicher Kot werden jedes Jahr im Basislager des Mount abgeladen. Dort bleibt die stinkende Ladung in blauen Tonnen verpackt, bis sie von Sherpa-Trägern zum Gorak Shep gebracht werden kann, ein gefrorenes Flussbett, das zur provisorischen Mülldeponie umfunktioniert wurde. 2014 legte die Regierung von Nepal fest, dass Bergsteiger eine Kaution von umgerechnet etwa 3.200 Euro vor ihrem Aufstieg hinterlegen müssen, die sie nur zurückerhalten, wenn sie mindestens 8 Kilogramm Müll wieder ins Basislager mitbringen. Die menschlichen Hinterlassenschaften bleiben von dieser Regelung jedoch unberührt.

Ein Träger transportiert Kot vom Mount Everest Basislager ab | Bild: Mount Everest Biogas Project

Müll und menschliche Ausscheidungen auf dem Mount Everest | Bild: Mount Everest Biogas Project

"Das hat mich emotional sehr getroffen", sagte Garry Porter gegenüber Motherboard. Der frühere Boeing-Ingenieur ist ein erfahrener Bergsteiger. "Wir hatten diesen tollen Trip im fantastischsten Land der Welt und dann schauen wir dabei zu, wie sie unsere Scheiße wegschleppen. Das sollte also unser letzter Beitrag an die nepalesische Bevölkerung sein?"

Garry Porter auf dem Mount Everest | Bild: Mount Everest Biogas Project.

Vor sieben Jahren entschied Porter, sich dem Kot-Problem anzunehmen. Darum gründete er mit anderen Freiwilligen das Mount Everest Biogas Project. Zusammen mit anderen Ingenieuren und Architekten arbeitet er seitdem gemeinsam an einer Lösung. Die Initiative entstand keine Minute zu früh. 2012 ergab eine Untersuchung von zwei Wasserquellen in der Nähe von Gorak Shep, dass eine der Quellen die WHO-Grenzwerte für sicheres Trinkwasser um ein Vierfaches überstieg.

"Man kann Fäkalien nicht einfach in offenen Gruben in der Nähe von Wasserquellen lagern und davon ausgehen, dass das nicht irgendwann zu Umweltproblemen führt", so Porter. Die Lösung: Porter und seine Kollegen wollen den Kot mithilfe einer Biogasanlage in nutzbare Energie umwandeln.

Eine Biogasanlage ist im Grunde ein Tank voller Bakterien, die sich von organischen Abfällen ernähren. Dabei produzieren sie Methangas und einen Gärrest, der als Düngemittel verwendet werden kann. Das erzeugte Gas soll für die Stromversorgung am Mount Everest genutzt werden und könnte bald alles von den Unterkünften bis hin zu den Laptops der Abenteurer betreiben – denn natürlich gibt es auf dem Everest inzwischen auch Internet.

In der Theorie klingt dieser Plan zwar leicht durchführbar, doch die außergewöhnlichen Bedingungen auf dem Mount Everest bringen ihre besonderen Herausforderungen mit sich. Damit sich die Bakterien im Tank wohlfühlen, brauchen sie Wärme; tatsächlich sind sie nur dann aktiv, wenn die Temperatur in ihrem Ökosystem zwischen 20 und 30 Grad Celsius liegt. Im Basislager, das 5.000 Meter über dem Meeresspiegel liegt, herrschen jedoch regelmäßig Minusgrade. Porter erzählt, dass Biogasanlagen an verschiedenen Orten in Nepal, China und Indien eingesetzt werden, allerdings in tieferen, wärmeren Höhenlagen. Sollte es Porter und seinem Team gelingen, die Technologie an eine der widrigsten Klimazonen der Welt anzupassen, dann könnte man dieses System auch auf anderen Bergen einsetzen, die unter der Last menschlichen Kots leiden.

Um diese Herausforderung zu meistern, musste das Team einen Weg finden, die Anlage rund um die Uhr warm zu halten – und zwar ausschließlich mit Mitteln, die man vor Ort in Läden und ganz gewöhnlichen Haushalten finden kann. Denn für Porter stand außer Frage, dass das Projekt bis hin zur letzten Batterie ein komplett nepalesisches Projekt sein sollte. "Wir finanzieren alles selbst, wir bauen es auf und dann übergeben wir es in Nepals Hände", so Porter.





So soll die Biogasanlage aussehen | Bild: Mount Everest Biogas Project

Die Lösung für das Wärmeproblem besteht aus einer Solaranlage mit 8,5 Kilowatt. Die Anlage kaufte das Teamn Kathmandu. Sie wird mit 48 ganz gewöhnlichen 2-Volt-Batterien betrieben und erzeugt genug Wärme, um die Biogasanlage auch über Nacht warm zu halten.

Laut Porter ist das Design für die Biogasanlage fertig – alles was jetzt noch fehlt, ist die nötige Finanzierung. Während unseres Gesprächs konnte er jedoch keine genaue Kostenschätzung nennen. Das Projekt befindet sich noch in der Prototypphase, doch das Team konnte gemeinsam mit den Universitäten von Kathmandu und Seattle beweisen, dass die Biogasanlage menschliche Fäkalien unter Laborbedingungen in Methangas umwandeln kann.

Momentan plant das Team die nächsten Schritte. Porter möchte den Gärrest nicht als Dünger für die Landwirtschaft freigeben, bevor er nicht gründlich auf menschliche Krankheitserreger wie den Norovirus oder Cholera getestet wurde. Denn wenn Erreger den Fermentationsprozess in der Anlage überleben, könnte der Dünger auch nicht bedenkenlos verwendet werden.

Bei der Entwicklung der Biogasanlage arbeitete das Mount Everest Biogas Projekt eng mit zwei nepalesischen Organisationen zusammen, dem Sagarmatha Pollution Control Committee und dem Sagarmatha National Park Buffer Zone Management Committee. So wollte das Team sicherstellen, dass das Design den nepalesischen Standards entsprach und dass es später von Arbeitern vor Ort nachgebaut werden könnte.

"Sie wollten vor allem wissen: 'Wann könnt ihr anfangen? Denn was die Bergsteiger hier tun, ist dem Berg gegenüber respektlos'", so Porter.

Einige Bergsteiger beklagen, dass der Everest sich in den letzten Jahren von einer Pilgerstätte für Abenteurer zu einer Touristenfalle für Reiche entwickelt hat. Fest steht jedenfalls, dass der moderne Tourismus auf dem Mount Everest wortwörtlich auf den Rücken der nur selten gewürdigten und oft unsichtbaren, Sherpa-Arbeiter aufgebaut wurde. Mit Projekten wie dem Mount Everest Biogas Project lässt sich vielleicht ein Teil dieser Schuld wieder gut machen.

Im Gespräch mit Porter wird schnell deutlich, welch große Ehrfurcht er vor dem Mount Everest empfindet – und er möchte ihn für seine Kinder und Enkel erhalten. Obwohl er es selbst bei einer Expedition 2003 nicht bis zum Gipfel schaffte, ist er sicher, dass das Biogas Project sein Ziel erreichen wird.


Quelle: vice



news_image

Die Regierungen beider Staaten wollen bei Nachrichtendiensten und Polizei enger zusammenarbeiten. Berlin spricht von einem "Netzwerk".

Read more

news_image

Können Cannabidiol oder andere Wirkstoffe von Cannabis Krebs heilen? Diese Frage wird unter Therapeuten und Betroffenen immer häufiger diskutiert.

Read more


allnews_image

Vor zehn Jahren begann die Afrikanische Union einen 8.000 Kilometer langen Baumwall quer durch den Kontinent zu pflanzen. Das Projekt entwickelte sich anders, als zunächst gedacht.

Voir plus


allnews_image

Knapp eine Woche vor Beginn seiner Jahrestagung in Davos hat das Weltwirtschaftsforum seinen jährlichen Risikobericht veröffentlicht. Der Ausblick ist wahrlich düster.

Voir plus


allnews_image

Manche Pflanzen können auf Geräusche von Bienen reagieren. Das zeigt eine Studie aus Israel.

Voir plus



allnews_image

Je enger sich Großbritannien nach dem Brexit langfristig an die EU bindet, desto einfacher ließe sich noch ein Ausweg aus dem Chaos finden. Jedenfalls in der Theorie.

Voir plus


allnews_image

BONN. Knapp 500 Schüler demonstrierten am Freitag in der Bonner Innenstadt auf dem Münsterplatz unter dem Motto "Fridays for Future" für den Umwelt- und Klimaschutz. Die Polizei spricht von einer ruhigen und friedlichen Veranstaltung.

Voir plus


allnews_image

In der Bundeswehr-Berateraffäre sind neue Details bekanntgeworden. Der Rheinischen Post zufolge sind innerhalb von vier Jahren etwa eine halbe Million Euro für Beratungsdienstleistungen "an einen Vertrauten von Staatssekretärin Katrin Suder" gegangen.

Voir plus


allnews_image

Ein Fleischgericht, für das kein Tier leiden oder sterben musste – noch klingt das nach einer Zukunftsvision. Doch schon bald könnte im Labor kultiviertes Fleisch in unseren Supermärkten erhältlich sein. Aber kann das Laborfleisch das Leid und Sterben von

Voir plus


allnews_image

Die französischen Gelbwesten geben keine Ruhe. Was treibt sie an? Tatsächlich geht es um mehr als nur Geld. Die globalisierte Wirtschaft mit ihren Ansprüchen an Flexibilität und Mobilität isoliert die Menschen und desorganisiert die Gesellschaft

Voir plus


allnews_image

Als Vierjährige wurde Mirella vom Jugendamt aus ihrem Zuhause im Süden Berlins geholt, weg von ihrer Mutter. Lange wollte die inzwischen 14-Jährige nur eines: zurück zu ihrer Mutter. Jetzt könnte sie - und will nicht mehr. Von Henrike Möller

Voir plus


allnews_image

Wissenschaftler stellten schon vor Jahren fest, dass das Blut von vegan lebenden Menschen achtmal besser Krebszellen bekämpfen kann als das Blut von jenen, die sich ganz normal ernähren. Eine rein pflanzliche Ernährung also – die von vielen als extrem bez

Voir plus


allnews_image

In der Berateraffäre um Ursula von der Leyen kam es im Bundestag zum Eklat. Mit formalen Einwänden stoppten Union und SPD vorerst die Einsetzung des Untersuchungsausschusses. Die Opposition ist erzürnt.

Voir plus


allnews_image

Gesunde, glatte Haut ist nicht nur ein Schönheitsideal sondern auch ein Indiz für einen gesunden Organismus. Falten, Akne und andere Hautprobleme sind immer auch ein Spiegel der inneren Gesundheit. Eine mineralstoffliche Unausgeglichenheit, oxidativer Str

Voir plus




allnews_image

Si le terme de pluie acide est largement répandu, sa définition l’est en revanche beaucoup moins. Il s’agit en réalité d’un phénomène assez méconnu du grand public et pourtant, celui-ci fait l’objet d’un préoccupant enjeu environnemental.

Voir plus


allnews_image

Dans sa Lettre aux Français, Emmanuel Macron interroge : «En matière d’immigration, une fois nos obligations d’asile remplies, souhaitez-vous que nous puissions nous fixer des objectifs annuels définis par le Parlement ? Que proposez-vous afin de répondre

Voir plus


allnews_image

L’équipementier automobile allemand Continental a récemment présenté un surprenant concept de service de livraison, dont les qualités seraient assez nombreuses. En effet, il est question de robots-chiens livreurs transportés dans des véhicules autonomes.

Voir plus


allnews_image

«Les hommes ont réussi à accumuler une énorme masse d’objets, mais la joie dans le monde s’est amenuisée», avait écrit Dostoïevski dans «Les frères Karamazov». Et si le renoncement s’érigeait en vertu au pouvoir libérateur?

Voir plus


allnews_image

En matière de sexisme du quotidien, il n'y a pas de petites victoires. Des internautes et le compte Pépite Sexiste ont réussi à faire décrocher une affiche sexiste en quelques heures à Roubaix.

Voir plus